Neurochirurgie | Wirbelsäulenchirurgie
Wann setzen die Neurochirurgie bzw. Sie bei einem Bandscheibenvorfall die sogenannte mikroskopische Laminotomie ein?
Nun, es kommt immer auf die Indikationsstellung an. Die Neurochirurgie verwendet die genannte Operationsmethode, wenn größere Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) und zusätzlich noch ausgeprägte Stenosen, also knöcherne Verengungen mit Einklemmung von Rückenmarksnerven (Spinalnerven) vorliegen.
Unter mikroskopischer Sicht öffnet der Chirurg den Wirbelkanal und sucht den Bandscheibenvorfall sowie den eingeklemmten Spinalnerv auf. Er entfernt mit feinen mikroskopischen Instrumenten den Bandscheibenvorfall und beseitigt die knöchernen Einengungen im Verlauf des Spinalnervs. Bei Bedarf können zusätzlich abgenutzte Anteile des Bandscheibenkerns (Nucleus) ausgeräumt werden.
Der offene mikroskopische Zugang zur Schonung von Muskulatur und Stützgewebe wird so klein wie möglich gehalten. Dies mindert die Gefahr, dass schmerzhafte Narbenbildungen und operationsbedingte Instabilitäten (das sogenannte Wirbelgleiten) der LWS auftreten.
Dieses Verfahren ist auch für die angesprochenen Sequester geeignet. Folgt man der internationalen Literatur, so ist bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen durch mikroskopische Laminotomie von einer Erfolgsquote von 80-85% auszugehen.
Spezialfall degenerative Wirbelkanalverengungen (Stenosen)
Es gibt auch Patienten, die unter abnutzungsbedingten Verengungen des Wirbelkanals leiden und oftmals chronische Schmerzen haben, die es ihnen fast unmöglich machen, längere Strecken schmerzfrei zu bewältigen. Kann also, außer bei Bandscheibenvorfällen auch bei weit fortgeschrittenen degenerativen Stenosen die genannte neurochirurgische Methode angewendet werden?
Wir sprechen hierbei von der mikroskopisch-dekompressiven Laminotomie, wobei dekompressiv druckentlastend meint. Der Druck auf den Spinalnerv ist in diesem Fall durch eine erhebliche abnutzungsbedingte Vergrösserung der Wirbelgelenke und daraus resultierende Verengungen des Wirbelkanals erzeugt worden. Durch mechanische Erweiterung des Kanals wird der Druck auf den Nerv verringert. Um dies zu ermöglichen, wird wie bei der vorher genannten Operationsmethode - in Vollnarkose - ein drei cm langer Hautschnitt über der Lendenwirbelsäule angelegt und in diesem Bereich die Muskulatur vom Wirbelknochen vorsichtig abgelöst. Unter mikroskopischer Sicht öffnet der Arzt den eingeengten Wirbelkanal auf nur einer Seite und erweitert ihn schonend in einer speziellen Technik. Die Aussichten, degenerative Veränderungen des Wirbelkanals durch eine mikroskopische dekompressive Laminotomie erfolgreich zu behandeln, liegen in Übereinstimmung mit der internationalen Forschung ebenfalls bei 80-85%.